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Grundprinzipien
wirtschaftlicher Organisation
Gedanken
zu Rudolf Steiners Begriff der wirtschaftlichen Assoziationen
Von EC Bakker
Diejenigen, die mit Rudolf Steiners Beitrag zur
Wirtschaftswissenschaft vertraut sind,(1) benutzen gewöhnlich
den Ausdruck „Assoziation“. Sie verstehen ihn hauptsächlich
als eine Vereinigung, die in verschiedener Weise die Vertreter von
Produzenten, Konsumenten und Händlern zusammenbringt. Obwohl
er einfach scheint, ist es offenbar schwierig, sich diesen Begriff
klar zu machen, weil dieses Bild zu statisch ist. Eine lebendigeres
Verständnis des Themas ist nötig.
Wirtschaft und Assoziation
„Erst wenn in der Arbeit die Gegenseitigkeit
füreinander beginnt, kann man von volkswirtschaftlicher Arbeit
sprechen.“(2) Dieses Zitat Steiners drückt das Wesentliche
seiner wirtschaftlichen Sichtweise aus. Überall in seinen ökonomischen
Schriften findet man eine Betonung der gegenseitigen Abhängigkeit.
Dennoch kann diese nirgends in den Grundlagen der modernen Wirtschaftswissenschaften
gefunden werden.
Man kann den folgenden Schluß aus Steiners Aussage
ziehen: Das Wesen der Volkswirtschaft zeigt sich in dem Bild zweier
Menschen, die etwas für einander tun. Dieses Bild kann verschiedene
Formen annehmen, je nach dem Blickwinkel der Betroffenen. Wenn beide
etwas voneinander wollen, dann kann man von einem normalen Tauschhandel
sprechen. Wenn keiner etwas von dem anderen für sich will, dann
berührt man die höchste Form des Tausches. Zwei Menschen,
die einander helfen, dies ist die Urform des wirtschaftlichen Lebens.
Zwei Menschen, die aus selbstloser Liebe füreinander handeln,
ist der höchste Ausdruck dieses Urbilds. Aber aufgepaßt,
es ist ein Akt der Freiheit: zwinge ihn den Menschen auf und du hast
Bolschewismus. Die Entwicklung dieses Ideals können wir jedoch
fördern, indem wir das wirtschaftliche Leben aktiv auf gegenseitige
Abhängigkeit aufbauen. Dafür ist es jedoch nötig, von
einer grundlegenden Austausch-Situation aus weiter zu gehen.
Wie erreichen zwei Menschen eine Einigung beim Tausch?
Das bestimmende Prinzip der Entscheidungsfindung kann per Definition
kein demokratischer Mehrheitsbeschluß oder individuelle Freiheit
sein. Nur aus einem Konsens folgt eine beiderseitige Übereinkunft.
Was aber bedeutet das? Man frage sich: wie kann der wechselseitige
Tausch angeregt werden? Es hilft, wenn jede Seite Einsicht in ihre
eigenen Beweggründe hat, aber dies ist niemals der entscheidende
Punkt. Die Hauptsache ist für jeden, die Motive des anderen kennenzulernen.
„Im Wirtschaftsleben als solchem … liegt
aus dem Menschen heraus nichts anderes vor als seine Bedürfnisse.
… Wenn er [aber] aus dem, was er als einzelner Mensch ist, heraus
handelt, also einfach nur auf seine Bedürfnisse Rücksicht
nimmt, … so wirkt er unter allen Umständen als ein antisoziales
Wesen.… Man irrt als einzelner Mensch, wenn man aus den individuellen
Urteilen heraus wirtschaftlich handeln will.Daraus ergibt sich mit
apodiktischer Sicherheit die Notwendigkeit der Assoziationen. Nur
dadurch, daß … das, was der eine weiß …, …
ergänzt und erweitert wird durch dasjenige, was ein anderer weiß,
nur dadurch, entsteht ein gemeinsames Urteil, das dann in wirtschaftliches
Handeln übergehen … kann.“(3)
Erstens ist die Assoziation ein Organ, durch das man
die Bedürfnisse und Erfahrungen anderer kennenlernt. Zweitens
kann man dort seine eigenen Bedürfnisse gegenüber denen
anderer abwägen. Dies kann zu der Entdeckung gegenseitigen Interesses
führen, durch das ein Tausch initiiert werden könnte. Die
Betonung liegt auf der Überwindung einseitigen Interesses. Als
ein Instrument zur Entdeckung gegenseitiger Interessen ist die Assoziation
die Hauptform wirtschaftlicher Organisation.
Einseitiges und gegenseitiges Interesse
Wenn man denkt, daß Erzeuger und Verbraucher sich
wie auf dem Gemüsemarkt treffen, ist dies bis zu einem gewissen
Umfang korrekt. Jedoch kann man keine vollständige ökonomische
Theorie auf dieser Idee begründen – wie das die Lehre der
Marktwirtschaft versucht. Man muß die wirtschaftliche Urform
erreichen, in der zwei Menschen etwas füreinander tun, denn dann
ist jeder sowohl Produzent als auch Konsument. Verhältnisse müssen
geschaffen werden, in denen „bei niemandem … ein einseitiges
Produktions- oder Konsuminteresse bloß vorhanden ist, sondern
… durch die Organisation selbst gleichermaßen Interesse
vorhanden ist für beides.“(4) Für Steiner handelt
es sich, sobald Einseitigkeit erscheint, nicht mehr um Assoziationen,
sondern um „Genossenschaften“. So wichtig und
nützlich solche Interessengruppen sind, sie können nicht
die ursprüngliche Form wirtschaftlicher Organisation sein. Man
sollte im Gedächtnis behalten, daß mehr Arbeitsteilung
logisch entsprechend mehr Zusammenarbeit erfordert. Das allein ist
aber noch kein Segen, denn diese Notwendigkeit kann auch dazu dienen,
einseitig orientierte Zusammenschlüsse zu stärken.
„Man kann in der Wirtschaft nicht mehr ohne Assoziationen
(funtionieren) (…) deswegen die einseitige Assoziationen von
Produzenten,(…)“(5)
„Einseitige Assoziationen“ sind dagegen ein Widerspruch
in sich selbst. „Assoziationen sind das genaue Gegenteil
von dem, was zum Trust, zum Syndikat und dergleichen hinführt.“(6)

In wirklichkeit sind beide Parteien auf einem Markt Produzent
und Konzument
So gesehen wird allmählich klar, Assoziationen
ermöglichen die Wahrnehmung gegenseitiger Interessen jenseits
des eigenen begrenzten Blickwinkels. „Assoziationen innerhalb
einer Branche gibt es nicht, … sondern Assoziationen gehen von
Branche zu Branche, gehen vor allen Dingen auch von den Produzenten
zu den Konsumenten hin.“(7) Wichtig ist: Assoziationen
können das lebenspraktische Verständnis aller Arten wirtschaftlicher
Verhältnisse fördern helfen. Konkret gesagt, Assoziation
sollen uns helfen, uns klar zu machen, was für einen Einfluß
zum Beispiel der Bau des Tunnels zwischen Frankreich und England auf
den Viehpreis in Wales hat.
„Gewiß, daß ist der erste, ich
möchte sagen abstrakteste Grundsatz, daß die Assoziationen
in der Zusammengliederung der verschiedenen Branchen bestehen.“(8)
Sicherlich: zu abstrakt genommen führt dieser Grundsatz nicht
weiter.
Assoziation und Zentralisation
Ein klassisches organisatorisches Dilemma ist Zentralisation
versus Dezentralisation. Indes ist keine der beiden Richtungen bedeutender
in der Weltwirtschaft. Während der Staat stets zur Zentralisation
tendiert und das kulturelle Leben zur Dezentralisation, tendiert die
Wirtschaft zur Assoziation – etwas, das richtig betrachtet,
dazwischen liegt.
Assoziationen bestehen, um Verständnis für die weitreichendsten
wirtschaftlichen Beziehungen zu finden. Das verlangt Klarheit, für
welche man Übersicht haben muß. Doch wirft dies die wichtige
Frage auf: bringen Assoziationen nicht das Risiko einer Herrschaft
von oben mit sich? „… es [ist] unmöglich …,
einen Wirtschaftskörper, wenn er über eine bestimmte Größe
hinausgeht und zu verschiedene Wirtschaftszweige umfaßt, zentralistisch
zu verwalten.“(9) „Man kann das Wirtschaftsleben
nicht von oben organisieren; man kann es nur assoziieren.“(10)
Der entscheidende Punkt ist, daß – per Definition –
jeder Tausch auf der freien Einsicht der Teilnehmer aufbauen muß.
Das Paradoxe ist, daß in einer assoziativen Wirtschaft mehr
Menschen in der Lage sein werden, so zu handeln, wegen der größeren
Informationsmenge, verbesserten Informationsqualität und dem
wachsendem Informationsaustausch. Man kann einerseits eine zentralisiertere
Bündelung der Information erwarten, aber als Grundlage stark
dezentralisierten Wirtschaftens andererseits.
Wissen und Effizienz
Wie zuvor gesagt, der Zweck des Assoziierens ist niemals,
abstrakte Verbindungen zu schaffen oder gegenseitige Bedürfnisse
in einer abstrakten Art zu identifizieren – indem man zum Beispiel
Schuhmacher, Landwirte und Beschäftigte der Chemieindustrie zusammen
an einen Tisch setzt. „Ja, aber eine solche Situation entsteht
gar nicht erst, weil die Assoziationen, die im Wirtschaftsleben entstehen,
sich kettenförmig zusammenschließen und von Assoziation
zu Assoziation sachgemäß verhandelt werden wird.“(11)
Assoziationen sind nicht unpraktisch; sie lassen wirtschaftliches
Verständnis exponentiell wachsen und sichern die beste Verteilung
und Übereinstimmung von Expertenwissen mit dem, was getan werden
muß. „Die Assoziation ist keine Organisation, ist
nicht irgendeine Koalition. Sie entsteht dadurch, daß sich die
einzelnen Wirtschaftenden zusammenfinden, und daß jeder einzelne
nicht das aufnimmt, was aus irgendeiner Zentralstelle heraus gemacht
wird, sondern daß der einzelne das beitragen kann, was er aus
seiner Erkenntnis des Gebietes, in dem er darinnensteht, weiß
und kann.“(12)

‘Die Kernpunte der Sozialen Frage’, Erstauflage 1919
(letztendlich wurden damals 40.000 Exemplare in Deutschland verkauft)
In seinem Buch Die Kernpunkte der sozialen Frage(13)
beschreibt Steiner, wie das Wirtschaftsleben mit der effizienten Organisation
der Warenzirkulation befaßt ist. Meiner Ansicht nach hat diese
Effizienz zwei Pole, die einander entweder schwächen oder stärken
können. Einerseits den bestmöglichen Einsatz der Produktionsmittel
und andererseits die bestmögliche Anpassung an die individuellen
Bedürfnisse. Jeder begegnet diesem Problem in der alltäglichen
Wertentscheidung zwischen niedrigeren Kosten (oder Budget) und persönlichem
Wunsch. Wenn wir die wirtschaftliche Urform im Bewußtsein tragen,
wird klar, daß beide Partner jedes Tausches sich mit diesem
Spannungsfeld auseinandersetzen müssen.
Waren, nicht Assoziationen als solche, stehen in diesem
Spannungsfeld. Die Assoziation ist der Ausdruck dieses Spannungsfeldes.
Daher umfassen Assoziationen den einfachsten Tauschhandel bis zu weltweiten
Verbindungen. Eine Assoziation für sich selbst existiert nicht.
Ebenso wie Waren ist sie Gegenstand permanenter Veränderung.
Tatsächlich verschwindet eine Assoziation sobald das implizite
Spannungsfeld durch die Vollendung des Handels aufgelöst ist.
Die Assoziation geht dann sofort in eine neue und per Definition andere
über.
Charakteristisch für Steiners ökonomische
Sichtweise ist, sich immer zu fragen, ob und wie lange eine Sache
als Ware betrachtet werden kann.(14) In Hinsicht auf die Assoziationen
stellt sich analog die Frage, wann das Spannungsfeld – zum Beispiel
die Umstände eines Tauschgeschäftes – zu einem gewissen
Gleichgewicht tendieren. Mit anderen Worten: es ist wichtig zu zeigen,
wenn das Gleichgewicht verletzt worden ist. Wann beginnt zum Beispiel
ein einseitiges Bedürfnis zu dominieren? Denn dann kann man nicht
länger von einem Tausch sprechen, die Situation tendiert zur
Ausbeutung. Steiner benutzt in dieser Hinsicht den (eher prosaischen)
Ausdruck „Zwangsschenkung“.
Größe durch Gleichgewicht
Obwohl Assoziationen vom kleinsten Tauschgeschäft
bis zu weltweiten wirtschaftlichen Verbindungen rangieren, ist es
dennoch möglich, etwas über ihre Größe zu sagen.
Die Schwierigkeit ist, man muß das Assoziationsprinzip aus verschiedenen
Blickwinkeln sehen. Wenn man zum Beispiel von einer weltweiten Öl-Assoziation
spricht, dann spricht man zur gleichen Zeit über Millionen kleinerer
Assoziationen.
Hier ergibt sich ein riesiges Paradox. Gerade so wie
im Wirtschaftsleben niemand für sich allein existiert –
wir brauchen andere und andere brauchen uns – so bestehen assoziative
Verbindungen nicht für sich allein. Zusammen formen sie Weltwirtschaft
und die ganze Weltwirtschaft splittert sich wieder in kleinste Transaktionen
auf. Es kann daher eher irreführend sein, von einer Assoziation
zu sprechen. Die Größe einer Assoziation ist immer relativ,
denn sie ist immer mit anderen verbunden – größeren,
kleineren, gleich großen. Dasselbe Paradox umspannt auch die
wirtschaftliche Urform. Hierin liegt die Dynamik des Wirtschaftslebens,
für welche wir wach werden sollen. Haben wir dies einmal verstanden,
können wir wieder beginnen von einer Assoziation sprechen und
dies auch, wie Steiner, in Hinsicht eines Bäckers und seiner
Kunden.(15)
Gefragt, wie groß eine Assoziation sein sollte,
antwortete Steiner mit folgender Beobachtung: für Konsumentenverbände
ist es wichtig erstens so billig als möglich einzukaufen und
zweitens so viele Menschen wie möglich hinzuzuziehen. Produzentenverbände
haben genau die umgekehrte Tendenz. Sie wollen so teuer wie möglich
verkaufen und suchen, aus Angst vor Wettbewerbern, die Zahl ihrer
Mitglieder klein zu halten. In jeder Assoziation geschieht beides,
es ist diese Spannung zwischen Wachstum und Begrenzung, die schließlich
die Größe der Assoziation bestimmt.(16)
Dieses Gesetz ist komplizierter als es scheint, da man
immer verschiedene Tendenzen im Wirtschaftsleben beobachten kann,
darunter auch das genaue Gegenteil von dem oben ausgeführten.
Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft lassen sich nicht auf
lineare Begriffsketten reduzieren. Sie sind stets dynamisch. Jedoch,
sobald man durch all die Dynamiken im Verbraucher- und Erzeuger-Verhalten
hindurchsieht, entdeckt man, dies Gesetz ist tatsächlich tief
begründet. Warum? Weil es auf die Beobachtung zurückgeht,
daß der Konsum dazu neigt, stärker zu sein als der Wille
zu produzieren. Dieses Gesetz ist faktisch der Grundstein, welcher
die Größe einer Wirtschaft überhaupt bestimmt!
Steiner wies auch auf ein weitere wichtige Gesetzmäßigkeit
in bezug auf die Größe hin: „Zu kleine Genossenschaften
fördern das Verhungern der Teilnehmer dieser Genossenschaften,
zu große Genossenschaften fördern das Verhungern der anderen
im wirtschaftlichen Leben mit diesen Genossenschaften verbundenen
Menschen.“(17) Es bleibt zum Beispiel oft unbemerkt, daß
je kleiner eine Assoziation, desto kleiner sind die Möglichkeiten,
die Bedürfnisse der Betroffenen zu befriedigen. Dies ist leicht
zu beobachten in kleinen Initiativen, wo um eines hohen moralischen
Zieles willen, die Beteiligten die relevante Frage der Größe
meiden. Solche Unternehmungen können sozial austrocknen, wenn
sie andauernd auf die persönlichen Opfer um der Sache willen
vertrauen.

Eine Wal-Mart Filiale in den VS. Jede Filiale hat enorme Folgen
für die Lokalwirtschaft.
Als Beispiel für eine zu große Assoziation
betrachte man den Effekt eines riesigen Verbrauchermarktes, oft an
einem Stadtrand angesiedelt. Menschen mit begrenzten Transportmöglichkeiten
können dort nicht einkaufen, während ihr örtlicher
Markt Kunden verliert, ihre „Assoziation“ wird kleiner.
Daher kann man auch sagen: eine zu große Assoziation führt
dazu, daß andere Assoziationen zu klein werden.
Das erste Gesetzmäßigkeit zeigt die Tendenz
zur Ausgeglichenheit; die zweite betont die Folgen eines Ungleichgewichtes.
Beobachtungen wie diese liefern tiefe Einichten, wie die moderne Wirtschaft
funktioniert. Diese dynamischen Beziehungen sind vor der eigenen Haustür
ebenso wahr wie bei großen wirtschaftlichen Beziehungen. Nehmen
wir zum Beispiel Frankreich, ein Land das stark zentralisiert ist.
Man kann die Region Paris als eine Assoziation ansehen, die zu groß
ist und kann fragen, in wie weit andere Regionen, als Assoziationen
betrachtet, zu klein sind. Und wie steht es da mit den weltweiten
Nord-Süd-Beziehungen, wo der Norden gedeiht auf die Kosten des
Süden?
Wie eine assoziative Wirtschaft wirklich in der Praxis
ausschaut, kann in diesem Artikel nicht erörtert werden. Jedoch
wenn man diese lebendige Art des Denkens in praktischen Situationen
anwendet, wird es eine Anleitung liefern und zu weiteren noch unbekannten
Gesetzmäßigkeiten führen. Tiefe Wahrheiten lassen
sich so auch neu fassen: wenn Christus zu seinen Jüngern sagt
„gibt einander Ihre Liebe, so wie Ich Euch geliebt habe“
, dann kann man dass Assoziationsprinzip sicherlich in diesen Licht
betrachten. Erstaunend ist es für mich dabei daß das ganz
Praktische mit den höchsten Moralischen zusammenfällt.

Das letzte Abendmahl, Tintoretto (1594)
Das wichtigste in dieser Sache ist der Wille, den Weg
zur Begründung einer neuen, wahren Wirtschaftswissenschaft wirklich
zu gehen. Ich betone Wissen-schaft, weil bloß guter Wille nicht
genug ist: Ist man wirklich bereit, Verständnis für die
Folgen seines eigenen (wirtschaftlichen) Handelns und wirkliches Verständnis
für die Handlungsweise von seines Bruder, seiner Schwester zu
gewinnen?
Dass heisst, besonders mit dem Doppelgänger dem eigenen und den
anderen, konfrontiert zu werden.(18) Ohne zusammenarbeit kann diese
nie transformiert werden und andererseits, ohne Konfrontation mit
dem Doppelgänger kann man nie weitgehend zusammenarbeiten. Gelingt
das, dann wird almählich das Leben selbst kommen. So gründet
man Assoziationen.
EC Bakker ist Ökonom. Dieser Artikel wurde
zuerst in dem niederländischen Magazin Driegonaal (Sommer 2000)
veröffentlicht. Es erschien in Lazarus, Sommer 2003.
(1) Rudolf Steiner, Aufgaben einer neuen Wirtschaftswissenschaft,
Bd. 1: Nationalökonomischer Kurs: 14 Vorträge 1922, (GA
340) Dornach 62002, Bd. 2: Nationalökonomisches Seminar: 6 Besprechungen
1922, (GA 341) Dornach 31986.
(2) Rudolf Steiner, Nationalökonomisches Seminar, S. 59.
(3) Rudolf Steiner, Wie wirkt man für den Impuls der Dreigliederung
des sozialen Organismus? Zwei Schulungskurse für Redner und aktive
Vertreter des Dreigliederungsgedankens: 12 Vorträge 1921, (GA
338) Dornach 41986, S. 164f.
(4) Rudolf Steiner, Soziale Ideen – Soziale Wirklichkeit –
Soziale Praxis, Bd. 1: Frage- und Studienabende des Bundes für
Dreigliederung des sozialen Organismus in Stuttgart 1919/1920, (GA
337a) Dornach 1999, S. 25f.
(5) (16-2-1921 Rednerkurs).
(6) Soziale Ideen – Soziale Wirklichkeit – Soziale Praxis,
Bd. 2: Diskussionsabende des Schweizer Bundes für Dreigliederung
des sozialen Organismus sowie Seminar- und Frageabende zur Dreigliederung
im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Fachkursen, Dornach 1920/ 21,
(GA 337b) Dornach 1999, S. 211.
(7) Ebenda.
(8) Ebenda, S. 227.
(9) Rudolf Steiner, Betriebsräte und Sozialisierung: Diskussionsabende
mit den Arbeiterausschüssen der großen Betriebe Stuttgarts,
1919, (GA 331) Dornach 1989, S. 170.
(10) 25.5.20 (Aus Fall Studien:“Die Assoziationen der Wirtschaft“,
Freiburg 1980, Institut für Gegenwartsfragen)
(11) Steiner, Betriebsräte und Sozialisierung, (GA 331) a.a.O.,
S. 279.
(12) Rudolf Steiner, Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit:
Wege zu ihrer Verständigung durch Anthroposophie, 10 Vorträge
Wien 1922, (GA 83) Dornach 31981, S. 304.
(13) Rudolf Steiner, Die Kernpunkte der Sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten
der Gegenwart und Zukunft, (GA 23) 6Dornach 1976
(14) Das Problem mit dem Begriff „Ware“ ist eine schwierige
Angelegenheit. Es gibt eine Menge Menschen, die ernsthaft denken,
dass Steiner Dienstleistungen nicht einschließt, weil er Ware
buchstablich so umschrieben hat: sie entsteht aus der Natur durch
menschliche Arbeit. Dies ist der Ausgangspunkt für Steiners Wirtschaftswissenschaft.
Aber von da an sind Dienstleistungen, die ihren Ursprung in der Anwendung
von Geist auf menschliche Arbeit [im Sinne von Tätigkeit, Arbeiten]
haben, auch eingeschlossen. Der springende Punkt ist, Dienstleistungen
sollen in vieler Hinsicht als natürliche Waren behandelt werden,
weil sie es von sich selber aus gerade nicht sind! Steiner sagte dass
Geistige Leistungen die Eigenschaft haben unbedingt multipliziert
werden zu können. Zum Beispiel eine Erfindung, ein Buch, einen
Vortrag usw. So entsteht unehrliche Konkurrenz mit 'wirkliche‘
Waren; dass muss man lösen.
(15) Vgl. Steiner, Soziale Ideen – Soziale Wirklichkeit …,
Bd. 2 (GA 337b), a.a.O., S. 151, 213, 231.
(16) Vgl. Rudolf Steiner, Neugestaltung des sozialen Organismus, 14
Vorträge Stuttgart 1919, (GA 330) Dornach 21983, S. 182.
(17) Ebenda, S. 203.
(18) Freud redete vom kollektiven Unbewussten, Jung vom Schatten,
Rudolf Steiner vom Doppelgänger.